Kind spielt mit Hund Frisbee

Hunde haben heutzutage einen sehr hohen Stellenwert im Leben vieler Herrchen und Frauchen. Immer wieder hört man in diesem Zusammenhang ein beliebtes Klischee. Diese ganze familiäre Innigkeit heutiger Hundehaltung hätte es früher niemals gegeben. Demnach wäre der Wunschhund gerne einmal Ersatz für ein Wunschkind und Vierbeiner würden sowieso viel zu sehr vermenschlicht. OK, vor allem bei Punkt 2 mag bei einigen Hundebesitzer "ein Fünckchen" Wahrheit dabei sein. Doch es stimmt nicht, dass Hunde vor dem 20 Jahrhundert fast ausschließlich Arbeitstiere gewesen sind. 

Das älteste Beweisstück für frühe Hundeliebe wurde im Jahr 1914 gefunden. Nur hat das damals keiner bemerkt. In einem Steinbruch in Bonn-Oberkassel wurden in einem prähistorischen Grab zwei menschliche Überreste entdeckt.  Das Spektakuläre daran war aus damaliger Sicht, dass die menschlichen Knochen beeindruckende 14.000 Jahre alt sind. Das war zu dieser Zeit schlicht der älteste Beleg für die Besiedelung des modernen Menschen Homo sapiens in Deutschland. Doch erst rund 100 weitere Jahre später wurde das „Doppelgrab von Oberkassel“ sogar nachträglich quasi zur Geburtsstunde des europäischen Hundes. Denn jetzt wurde klar, dass in dem Grab auch ein direkter Vorfahr heutiger Hunde begraben lag. Zusammen mit einer zirka 20 Jahre alten Frau und einem etwa 40-jährigen Mann.

Das Interessante: Durch die Art der gemeinsamen Bestattung und durch andere Funde sind sich die Forscher über zweierlei einig.

1. Die gemeinsame Bestattung des Hundes und der Menschen im Doppelgrab belegt eine sehr enge und innige Beziehung zwischen den beiden Mensch und ihrem Hund.

2. Der Hund ist quasi Europäer. Lange war unklar, ob die Domestizierung von Wildtieren zu unseren heutigen Hunden nicht doch in Ostasien begann. Doch inzwischen ist sicher, die Domestizierung von Hunden begann in Europa und zwar in einem Zeitraum von vor ca. 18.000 bis 32.000 Jahren. Unsere Vorfahren haben schon also Hunde schon seit Jahrtausenden als Begleiter und Teil ihrer Gruppe geschätzt.  Und das lange bevor andere Tiere wie Kuh oder Pferd vom Menschen domestiziert wurden. 

Klar, Hunde wurden damals nicht vordergründig als Kuscheltier gehalten. Sie wurden nicht zum Steinzeit-Hundefriseur gebracht oder zur Hunde-Osteopathie. Dafür gab es damals immerhin schon die erste BARF-Ernährung mit Frischfleisch. Und die Welpen-Spielgruppe war quasi inklusive. Und ja, im Unterschied zu heute durften Hunde in der Steinzeit noch ihren Jagdtrieb ausleben. Denn mitarbeiten durften und mussten die Hunde natürlich auch. Die damaligen Menschen konnten den Wach-Schutz durch Hunde gegen Feinde und die Hilfe beim Jagen sehr gut gebrauchen. Aber: Und das war das Überraschende: Forscher glauben eben auch, dass Hunde schon bei unseren Steinzeit-Vorfahren mehr als nur Arbeitstiere warn. Sondern dass sie den Hund schon damals als treuen tierischen Freund schätzten und eine teils enge soziale Beziehung zu ihm aufbauten. Mehr Hintergrund-Infos zum Thema: archaeologie-online.de

Die Funde, sowohl der beiden Menschen als auch des Hundes, sind übrigens zu besichtigen im LVR-Landesmuseum in Bonn, (Colmantstr. 14-16, 53115 Bonn). Doch leider: Als Besucher sind Hundebesitzer zwar gerne gesehen, Hunde selbst sind im Museum aber nicht erlaubt. Ich würde sagen, das kann noch besser werden. Wegen Ahnenkunde und so!

Siehe auch zum Thema: Der Wunschhund Podcast

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