thumb training hundeschuleSeit dem 1.9.2008 mussten neue Hundebesitzer in der Schweiz nach der Anschaffung eines Hundes einen Trainingskurs besuchen. Bringt nichts, sagt man jetzt. Die "obligatorische Hundeausbildung" wurde jetzt vom Schweizer Parlament wieder aufgehoben. Dagegen regt sich Kritik. Interessant ist die Begründung für die gesetzliche Änderung.

Keine nachgewiesene Wirkung wurde dem Sachkundenachweis zum Verhängnis. Auslöser für seine Einführung im Jahr 2008 war ein tragischer Todesfall eines Kindes durch Hundebisse. Die Schweizer Behörden wollten daraufhin alles richtig machen. Alle Hundebesitzer sollten nach jedem Kauf eines Hundes einen Sachkunde-Kurs absolvieren.

Der schweizerische "Hundebesitzer-Führerschein" besteht aus je vier Stunden Theorie und Praxis. Mit Themen von der tiergerechten Haltung bis zu grundlegenden Kenntnissen zur Hunde-Erziehung. Neben dem Tierschutz zielte die Regelung vor allem auch auf eine bessere Kontrolle von Hunden durch deren Besitzer in der Öffentlichkeit.

 

Schwierige Erfolgsmessung und Sachkunde-Verweigerer

Das für die Prüfung der Maßnahme zuständige Bundesamt hat in einem im Frühjahr 2016 veröffentlichten Bericht Schwierigkeiten mit der Erfolgsmessung der Kurse vermeldet:

  • Die Zahl der Beiss-Vorfälle und ähnlicher Vorkommnisse hätte sich durch die Kurse nicht verringert.
  • Verhaltensunterschiede von Personen mit bzw. ohne Kurs konnten nicht belegt werden.
  • Besonders interessant: 20 Prozent der Hundehalter hätten den Kurs gar nicht absolviert.

Die Antragsteller und Befürworter im Schweizer Parlament, die für eine Abschaffung des Sachkundenachweises stimmten, nahmen diese Ergebnisse als Grundlage für Ihre Entscheidung.Nach dem Motto: Warum weiterhin einen bürokratischen Aufwand in eine Maßnahme stecken, die nichts bewirkt. Doch stimmt das?

  • Bei dieser Entscheidung nicht ernsthaft in Betracht gezogen wurde die Frage, ob sich speziell Kurs-Verweigerer negativ auf die Statistiken auswirken.
  • Auch nicht, was Fachleute und Betroffene als Nutzen der bisherigen Regelung sehen.
  • Vorschläge zur Verbesserung auf Basis der bisherigen Erfahrungen waren ebenfalls nicht das Ziel.

Stattdessen bleibt das Argument Bürokratie-Abbau und die verbleibende offene Frage: Was passiert nach einem nächsten Unglücksfall mit schwerem Ausgang?

training in hundeschule

 

Kritik - die Gegen-Meinung zum Obligatorium

Viele Tierschützer, Hunde-Fachleute und Tierärzte sehen das Thema differenzierter und üben Kritik an der radikalen Umkehr. Das sogenannte "Obligatorium" wurde hier seit jeher auch als Einstiegshürde gesehen, um der spontanen Anschaffung eines Hundes ohne vorhandenes Wissen zur Hunde-Haltung entgegenzuwirken.

Die Mehrheit der Nicht-Hundebesitzer und auch der Tierärzte hielt bei bisherigen Umfragen einen Sachkundenachweis für sinnvoll. 

Doch ein Kompromiss-Modell war nicht erwünscht: Der kynologische Verband Schweiz hatte beispielsweise vorgeschlagen, für erstmalige Hundebesitzer die Kurse weiterhin verpflichtend anzubieten und sogar auf zehn Lektionen auszuweiten. Für erfahrene Hundehalter hätte er dann entfallen können.

 

Das gilt aktuell in der Schweiz

Zum derzeitigen Stand (Oktober 2016) benötigt der Entscheid des Nationalrates eine Anpassung der Tierschutzverordnung durch den Bundesrat. Bis dahin gilt noch die seit 2008 bestehende Gesetzgebung und die Verpflichtung zu einem Sachkunde-Kurs. (Weitere Details zur Schweizer Verordnung: blv.admin.ch). Mit der nun angestoßenen Neuregelung geht die Schweiz voraussichtlich den Weg des "Flickenteppichs". Jeder Kanton wird vermutlich seine (teils abweichende) eigenen Bestimmungen dazu erlassen. So viel zum Thema Bürokratie-Abbau.

Das kennt man übrigens auch aus diversen deutschen Bundesländern. Nur dass hier die bisherigen Erfahrungen mit Hundegesetzen in den letzten Jahren vermehrt die Neu-Einführung von Sachkundenachweisen zur Folge haben.

Siehe auch: Hundeschulen-Verzeichnis (Deutschland)

Sachkundenachweis in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen eingeführt.

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