thumb - american staffordshire terrierDie seit dem Jahr 2000 bestehende Hundeverordnung in Hessen steht immer wieder in der Kritik. Sowohl im Bezug auf ihre Wirksamkeit als auch bezüglich den Maßgaben, nach denen Hunde als gefährlich eingestuft werden. Nun sorgt die Anzahl der getöteten Hunde für Aufregung.

Die Hundeverordnung in Hessen stuft über eine sogenannte Rasseliste einzelne Hunderassen generell als gefährlich ein. Dazu gehören beispielsweise American Staffordshire Terrier, Pitbull Terrier, aber auch Kangal oder Rottweiler (komplette Liste und Regularien, siehe: Komplette Hessische Hundeverordnung online).

 

Deutlich mehr getötete Hunde als zunächst zugegeben

In Hessen sind seit Inkraftreten der Hundeverordnung offenbar weit mehr Hunde getötet worden, als Innenminister Peter Beuth (CDU) zunächst zugegeben hat. Nach Unterlagen, die der Frankfurter Rundschau und der Fraktion "Die Linke" im Hessischen Landtag vorliegen, versuchte das Innenministerium offenbar, die Zahlen der seit dem Jahr 2000 getöteten Hunde herunterzuspielen.

Die Landesregierung gab zunächst an, dass im Zeitraum von 2003 bis 2016 lediglich 69 Listenhunde getötet wurden. Die deutlich höhere Zahl getöteter Hunde in den Jahren 2000 bis 2002 wurde aber verschwiegen. Dazu erklärt Barbara Cárdenas, tierschutzpolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke":

Rechne man die Zahlen aus dem Zeitraum vom August 2000 bis Ende 2002 und zudem die getöteten Nicht-Listenhunde dazu, so komme man auf eine Zahl von etwa 400 getöteten Hunden in Hessen.

Der damalige Innenminister und heutige Minsterpräsident von Hessen, Volker Bouffier, hatte die Hundeverordnung im Jahr 2000 eingeführt. Auffällig sei laut Cárdenas, dass gerade nach Einführung der Hundeverordnung, vor allem im Jahr 2002, die meisten Hunde getötet worden seien.

Innenminister Peter Beuth (CDU) rechtfertigte die Differenz mit dem Hinweis, er sei nach der Tötungen von Tieren gefragt worden, deren Rasse auf der Liste stehe - nicht nach allen getöteten, gefährlichen Hunden im Zeitraum zwischen 2000 und 2015. Die elektronisch erfasste Beißstatistik reiche zudem nur bis in das Jahr 2003 zurück.

American Staffordshire Terrier vor Blumenwiese

 

Umstrittene Hundeverordnung in Hessen durch die Hunde-Rassen

Die Hunderasse-Liste war seit ihrer Einführung bei einer Reihe von Experten umstritten. Wie auch bei den Diskussionen in anderen Bundesländern halten Kritiker den „Hundeführerschein“ für alle (erstmaligen) Hundebesitzer, unabhängig von Hunderassen, für eine sinnvollere Lösung. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Gefährlichkeit eines Hundes nicht anhand seiner Rasse-Zugehörigkeit festlegen lässt“, kritisiert Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei der Tierschutzorganisation TASSO e.V.

Hundeverordnungen, die auf einer Rasseliste basieren, würden dadurch keine effektiven Gefahrenabwehr ermöglichen. Das würden auch die Beiß-Statistiken belegen. Die Tierschützer fordern die Abschaffung der Rasseliste, wie dies bereits in Niedersachsen und Schleswig-Holstein erfolgt ist.

 

Was bedeutet die Haltung als gefährlich eingestufter Hunde in Hessen im Alltag?

Es bestehen dazu eine Reihe von Einschränkungen. Dazu gehört unter anderem:

  • Für die Haltung von gefährlichen Hunden ist eine behördliche Erlaubnis nötig.
  • Voraussetzungen für die behördliche Erlaubnis: Volljährigkeit, Vorlage eines Führungszeugnisses, Nachweis der Sachkunde (Hundeführerschein).
  • Erfolgreiche Wesensprüfung des Hundes, um vom Hund ausgehende Gefahren zu bewerten.
  • Nachweis über artgerechte und "abgesicherte" Haltung des Hundes.
  • Es muss eine Hunde-Haftpflichtversicherung abgeschlossen worden sein.
  • Die Halter-Erlaubnis ist bei jungen Hunden auf maximal vier Jahre befristet. Für ältere Hunde kann auch eine nicht befristete Erlaubnis ausgestellt werden.
  • Tiere der als gefährlich eingestuften Hunderassen dürfen außerhalb des eigenen Grundstücks bzw. der Wohnung nur einzeln und nur von Personen geführt werden, die eine Haltungserlaubnis für gefährliche Hunde besitzen.

(Alle Angaben ohne Gewähr: Weitere Details - komplette Hessische Hundeverordnung online)

Siehe auch: Hunde-Haftpflicht Tarif-Vergleich

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