thumb fot46593186 gaehnende welpen 500pxMan muss schnell sein oder Ausdauer haben: Inspiriert von verfrühten Lebkuchen waren die ersten Jahresrückblicke bereits Anfang Dezember im Fernsehen zu sehen. Alles schien bereits gesendet, was wichtig war. Alles? Nein, Martin Rütter hat sich eine etwas skurrile Version dieses Themas bis zum Ende aufgehoben. Dabei hätte es doch deutlich lohnendere Möglichkeiten gegeben, das TV für tierische Themen zu nutzen.

Der in den heimatlichen TV-Wohnzimmern bestens bekannte "Hundeprofi" hat sich in den letzten Jahren immer stärker zum Showmaster auf großen Bühnen entwickelt. Jetzt also ein tierischer Jahresrückblick, quasi Günther Jauch mit Vierbeinern? Wenn es denn nur so wäre. Der Sender VOX wirbt für seine große Abendshow (am 29. Dezember um 20:15 Uhr) mit Rütters ganz persönlichen Highlights in 2015 und den schönsten, skurrilsten, lustigsten und emotionalsten Augenblicken im Zusammenleben von Mensch und Tier.

Was den tierischsten Showmaster im deutschen Fernsehen nicht davon abhält, gleich zu Beginn von einem Thema zu berichten, das den "Hundeprofi" ganz persönlich bewegt: "Ich habe das Gefühl, dass ich im Jahr 2015 so viel zugenommen habe, wie noch nie", so der 45-Jährige. Weil seine Versuche, auf eigene Faust abzuspecken nicht erfolgreich waren, hat ihn deshalb Henry Maske beim Abspecken unterstützt - mit einem Training im Box-Ring.

Laut VOX kannte die Box-Legende beim "Hundeprofi" kein Erbarmen: "Ich bin kein Hund und du bist nicht der Trainer! Ich bin der Trainer und du bist der Sportler!". Live im Studio erwartet Martin Rütter die Stunde der Wahrheit: Auf einer Hundewaage muss er sein Abnehm-Ergebnis vor allen präsentieren - wieviel Gewicht hat der "Hundeprofi" tatsächlich verloren? VOX spendet pro abgenommenem Gramm Körpergewicht einen Euro für bedürftige Tierheime.

Einen Euro pro Gramm - die Sparquote hat also auch bei VOX wieder einmal zugeschlagen. Wer Rütters Fitness-Bemühungen überstanden hat, darf dann jedoch nach dem Günther Jauch / Johannes B. Kerner - Prinzip endlich sein Herz für die Vierbeiner öffnen.

Tierische Einzelschicksale, die Menschenemotional berühren, z.B. ein von seinem Besitzer schwer misshandelter, abgemagerter und verfilzter Hund, der im Tierheim Siegen vorbildlich aufgepäppelt wurde. Er sucht wie eine Reihe weiterer Vierbeiner ein neues Zuhause. Berührende Bilder, ein Ausblick auf ein Happy End und latente Spendenbereitschaft zum Jahresende. Dann mal schnell weiter zum nächsten Thema.

fot46593186 Gaehnende Welpen

Ach, würde einer dieser TV-Sender doch nicht nur zur Weihnachtszeit wahlweise strahlende Kinderaugen oder rührende Tierschicksale für sich entdecken. Oder so eine Sendung nutzen, um sich mit einer großen Zuschauerzahl im Rücken einmal wirklich einzumischen und versuchen, Dinge zu verändern.

Warum nicht einmal die vielen VOX-Zuschauer zu einer Petition (etwa gar online?) aufrufen oder die berühmten sozialen Netzwerke aktivieren. Man könnte damit ja gerne auch tolle Sender-PR machen.

Ein kleines Beispiel: Es hätte ein großer Schritt für den Tierschutz werden können. Im Dezember 2015 wurde eine Anfrage im Bundestag bezüglich einer gesetzlichen Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht von der Bundesregierung abgelehnt. Begründung: Der bürokratische Aufwand wäre zu groß.

Die Tierschutzorganisation TASSO rechnet jedoch vor: Wären alle Hunde und Katzen in Deutschland registriert, würde kein Fundtier länger als ein paar Stunden im Tierheim zubringen. Der Halter wäre anhand der Eintragung in ein zentrales Tierregister sofort zu ermitteln. Laut Philip McCreight von TASSO beträgt die durchschnittliche Verweildauer eines Fundtieres im Tierheim zurzeit zwölf Tage. „In dieser Zeit leiden sowohl Tierhalter, als auch ihre vermissten Tiere unter der ungewissen Situation. Pro Tag entstehen Kosten von etwa 15 Euro pro Fundtier.

Wären alle Hunde und Katzen mit einem Mikrochip gekennzeichnet, könnten den Tierheimen der Berechnung zufolge Kosten in Höhe von rund 27 Millionen Euro pro Jahr erspart werden. Nebenbei würden auch Kommunen sparen, da sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, sich an den Fundtierkosten der Tierheime zu beteiligen. Das Geld für die Rütter-Kilo Spende lieber für etwas einzusetzen, was langfristig etwas ändert, das wäre einmal etwas. Welpenhandel, Qualzucht, ach es gäbe viele lohnende Themen.

Nun ja - Träumerei-Modus aus: Im tierischen Jahresrückblick bei VOX kommen dafür andere spannende Themen vor. Welche persönlichen Erfahrungen hat der "Hundeprofi" in diesem Jahr außerdem mit Wölfen gemacht (Zweitverwertung von gesendetem Material), was hat es mit der unglaublichen Geschichte des Streunerhundes "Arthur" auf sich (kam doch auch schon mal, oder?), wie ist der Tod des Löwen "Cecil" bei der Großwildjagd in Simbabwe zu bewerten? Nicht zu vergessen: Mit einer lebensgroßen Hai-Figur geht der "Hundeprofi" dem Phänomen Hai auf die Spur - und bekommt anschauliche Tipps, wie man sich im Falle einer Hai-Attacke am besten verhalten sollte.

Ganz nebenbei dürften wieder ein paar Gramm beim Showmaster sportlich abgebaut worden sein. Pro Gramm eine Spende an die Hai-Stiftung? War ja nur so eine Idee.