Wenn man Freunde zu Gast hat, möchte man nicht gerne ungut auffallen. Xinhua, die amtliche Nachrichtenagentur in China meldete, dass die staatlichen Behörden den offiziellen Restaurants für die Olympischen Spiele verboten, Hundefleisch anzubieten. Zunächst ist das nur ein schönes Symbol.

Aber auch nach dem Olympia-Marketing Chinas bewegt sich offensichtlich noch etwas mehr bei der grundsätzlichen Einstellung.

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Fleischmarkt in China - flickr Foto : Rivard CC

Das "Hundefutter"-Verbot für die offizellen Olympia-Restaurants wurde damals von der Behörde für Lebensmittelsicherheit ergänzt um eine Empfehlung an andere Lokale in Peking, kurzzeitig auf Hundefleisch im Menü-Plan zu verzichten. Das fiel nicht allzu schwer, denn zumindest unter den meisten Einwohnern Nordchinas gilt das Essen von Hunden sowieso nicht allgemein als Leckerei. 

Verläßliche Zahlen zum Verzehr von Hunden in China sind schwer zu bekommen. Tierschützer-Schätzungen und Zahlen aus anderen Quellen unterscheiden sich deutlich. Tatsache ist, dass zumindest in Teilen Chinas das Verzehren von Hunden seit jeher als normal angesehen wird. Dies gilt übrigens auch für Teile Vietnams oder Koreas. Vor allem in bestimmten Regionen von Süd-China werden Hunde zum Teil noch als unproblematischer Bestandteil der Ernähung gesehen. In historischen Quellen wird übrigens darauf verwiesen, dass die Eliten im Norden Chinas dies früher schon gerne als Symbol nahmen, wenn sie Verachtung für Menschen im Süden ausdrücken wollten.

Hundefleisch hat eine rosa Färbung und soll geschmacklich zwischen Rindfleisch und Wild einzuordnen sein. Geschmacklich wird es zum Glück nur von wenigen als echte Delikatesse angesehen. Wenig bekannt ist die zeitweise Nebenfunktion als Fleischliefeant auch in Europa. Hunde wurden vor ihrem sozialen Aufstieg in Notzeiten auch bei uns zu Essen verarbeitet. So zum Beispiel in einzelnen Regionen der Schweiz und Deutschlands. Nach behördlichen Angaben wurden um das Jahr 1900 in Chemnitz im Schnitt 226 Hunde, in Dresden 136 Hunde pro Jahr geschlachtet (siehe: Erhard Oeser, Hund und Mensch)

Für fast alle Westeuropäer ist jedoch heutzutage zum Glück klar, dass ein Schlachten von Tierarten wie Hunden, zu denen viele Menschen eine enge soziale und emotionale Beziehung haben, nicht akzeptabel ist.

Tierschützer weisen in diesem Zusammenhang zusätzlich auf Berichte hin, das bei Zucht, Transport und Schlachtung in Asien Tierquälerei keine Seltenheit sei. So sollen teilweise Schläge vor der Tötung für eine angeblich bessere Fleischqualität sorgen. Inakzeptabel, inzwischen auch für immer mehr Chinesen.

Denn es ergeben sich widersprüchliche Entwicklungen aus dem wirtschaftlichen Aufschwung in China. Fleisch wird für viele erschwinglich, sodaß nach Tierschützer-Angaben inzwischen auch Hunde zum Teil in intensiver Zwingerhaltung gemästet werden. Zum anderen entdecken Großstädter zunehmend ein ganz anderes Verhältnis zu den Tieren. Die Zuneigung zum lebenden Hund steigt, mit wachsendem Wohlstand haben sich viele Familien in der Stadt selbst einen Vierbeiner zugelegt. Die offizielle chinesische Statistik spricht von inzwischen 150 Millionen Haushunden. 


Aktiv-Links: Die Organisation AnimalsAsia versucht den Respekt für Tiere in Asien zu verbessern.

Petition von Vier-Pfoten e.V. gegen den Handel mit Tierqual und für ein Tierschutzgesetz

 

Olympia und der lange Marsch 

Peking hatte sich fein gemacht für die öffentliche Olympia-Meinung aus aller Welt. Stinkende Fabriken wurden aus der überfüllten Stadt heraus verlagert. Es gab ein Rauchverbot und ein Spuckverbot auf öffentlichen Plätzen. Olympia-Helfer hielten verdutzte Chinesen dazu an, nicht wie sonst bei Rot über die Ampel zu gehen. Fluchen war verpönt und Hunde auf der Speisekarte sollten das neue öffentliche Weltbild bestimmt nicht gefährden.

Chinas wirtschaftlicher Aufschwung ist wie in anderen Gesellschaften auch der wichtigste Faktor, um das Verhältnis zu Tieren und speziell zu Hunden zumindest in den Städten nachhaltig zu verändern. Auch wenn allein das Halten von Hunden als Streichel-Haustier noch kein Garant für eine hundegerechte Haltung ist. Je mehr Hunde als sensible Tiere und anerkannte Mitglieder der neuen Mittelstandsfamilien wahrgenommen werden, desto weniger populär werden auch im fernen China Hunde-Rezepte auf den Speisekarten.

Man wird sehen, ob die bisherigen Impulse zu langfristigen Veränderungen führen. Ein wenig mehr als Spuckverbote wäre schon wichtig. Es benötigt eine langfristige Veränderung der Einstellung zu der Wertigkeit von Tieren. China braucht vor allem ein Tierschutzgesetz. 

 

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(wok)


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