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Hunde in den Knast

Im Sommer 2008 war Underdogs ein beliebter Hunde-Film , dessen Idee auf einem echten Strafvollzugs-Projekt aus den USA basierte. Nun macht das Projekt auch im richtigen Leben Schule, denn Hunde gehen jetzt auch in den deutschen Knast. Offiziell heißt das bundesweit erste Pilotprojekt dieser Art im Strafvollzug: "Hunde im sozialen Einsatz".

Wie das Justizministerium in Mecklenburg-Vorpommern am 25.03.2009 bekanntgab, sei Ziel des Projektes, das in Zusammenarbeit mit der Kynos-Stiftung im Oktober 2008 gestartet wurde, in der Justizvollzugsanstalt Bützow junge Hunde zu sozialisieren und durch den engen persönlichen Kontakt besonders auf den Menschen zu prägen.

Die Kynos-Stiftung hat es sich zum Ziel gesetzt, eine Gleichstellung von Assistenzhunden, das heißt Behindertenbegleit-, Blinden-, Therapie- oder Signalhunden zu erreichen. Das Alltagsleben der Behinderten kann durch gut ausgebildete Assistenzhunde wesentlich erleichtert werden. Nicht nur Gesundheit und Selbständigkeit werden gefördert, sondern insbesondere auch die soziale Integration in unsere Gesellschaft.

Die mecklenburgische Justizministerin Kuder erhofft sich nach eigener Aussage vom Projekt mit der Kynos-Stiftung, "dass die Strafgefangenen auf diese Weise Schritt für Schritt ein neues verantwortungsbewusstes und soziales Verhalten lernen. Bei der Versorgung und Pflege der Hund sind Regelmäßigkeit, Fürsorge und Ausdauer entscheidend. Das sind wichtige Verhaltensweisen, die Voraussetzungen für ein straffreies Leben nach der Haft darstellen." Zudem würden die Gefangenen wissen, dass sie durch ihre Mitarbeit behinderten Menschen mit den ausgebildeten Hundegefährten an der Seite zukünftig ein besseres Leben ermöglichen.

Drei Strafgefangene wurden als sogenannte "Paten" für die Labradoodle (Mischung aus Labrador und Pudel) "Ben, Wotan und Pacco" ausgewählt, welche im Oktober 2008 als ca. 17 Monate alte Welpen in der JVA Bützow Einzug hielten. Die Paten leben seitdem mit "ihrem Hund" im Haftraum. Sie sind 24 Stunden am Tag für das Wohlbefinden der ihnen anvertrauten Hunde voll verantwortlich. Die Ausbildung der Assistenzhunde wird seitdem durch einen Hundetrainer der Kynos-Stiftung begleitet. Die Stiftung hat die Kosten für die Anschaffung der Tiere, Arztkosten, Futter, Tierkosten, Grundausstattung (Leine, Führergeschirr etc.) übernommen. Nach einem Jahr werden die Hunde wieder an die Stiftung zurückgegeben, um die spezielle abschließende Ausbildung für die spätere Arbeit als Assistenzhund für Menschen mit körperlichen Handicaps zu erhalten.

Der Justizvollzug in Mecklenburg-Vorpommern setzt bei der Arbeit mit Gefangenen schon länger auf die Unterstützung von Tieren. So bilden in der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz Jugendliche bereits seit längerem Hunde aus dem örtlichen Tierheim zu Begleithunden aus, die danach wieder an das Tierheim zurückgegeben werden.

Hunde nehmen in der Arbeit mit Menschen und hier speziell mit Strafgefangenen eine besondere Rolle ein: Nach einer Studie des Kriminologen und Präsidenten des Stiftungsrates der Deutschen Stiftung für Verbrechensverhütung und Straffälligenhilfe (DVS), Hans-Dieter Schwind, lösen Hunde bei Strafgefangenen Zuneigung aus, woraus sich wichtige Beziehungen entwickeln. Auch das Anstaltsklima verändere sich sofort positiv, sobald die Tiere im Gebäude leben. Hunde förderten die Motivation zur Mitarbeit am Projekt. Gleichzeitig werde Erwartungsdruck und Lernstress bei den Gefangenen abgebaut. Die Arbeit mit Hunden vermittelt laut Schwind Normen und Werte für ein konflikt- und spannungsarmes Zusammenleben und schafft es, ein solches zu etablieren. Schließlich werde die Achtung vor dem andersartigen Lebewesen erlernt und Empathie entwickelt.

(wok)

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Kommentare (1)Add Comment
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geschrieben von Albert N., Juli 01, 2009
Tolle Idee. Man sollte Hunde auch an anderen Stellen noch viel mehr therapeutisch einsetzen, z.B. in Schulen oder Altenheimen. Das wir noch viel zu wenig gemacht.
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